Funktionsweise der Nebennieren

Die anatomische Unterscheidung der Nebenniere in Rinde und Mark ist auch funktionell von Bedeutung.

Nebennierenrinde

Die Nebennierenrinde hat einen dreischichtigen Aufbau und ist in der Lage, über 40 verschiedene Hormone zu produzieren.
Die wichtigsten Vertreter sind das Cortisol, das Aldosteron und die Sexualhormone.
Die häufig im Namen der Hormone vorkommende Bezeichnung „corti-“ oder „-cortikoid“ weist auf ihren Entstehungsort hin (lateinisch: Kortex = Rinde).

1. Cortisol

Das Cortisol ist eines der bekanntesten Hormone, die in der Nebenniere gebildet werden. Es wird unter der Bezeichnung „Cortison“ auch als Medikament verabreicht.
Das Cortisol gehört zur Gruppe der Glukocortikoide. Dies sind Hormone, die für die Steuerung des Zuckerstoffwechsels im Körper verantwortlich sind. (Der Wortteil „Gluko-“ leitet sich vom lateinischen Wort für Zucker „Glucose“ ab).
Die Hauptaufgabe des Cortisols ist die Bereitstellung von Energie für den Körper in Form von Zucker. Dazu stimuliert Cortisol die Zuckerherstellung aus körpereigenen Speichern (Gluconeogenese), den Abbau von körpereigenen Zuckerdepots (Glycolyse) und den Abbau von Fett zur Energiegewinnung (Lipolyse).
Der Cortisolspiegel im Blut unterliegt einer tageszeitlichen Schwankung mit einem Maximalwert am Morgen und einem Minimum gegen 24 Uhr. Unabhängig davon finden sich erhöhte Werte natürlich in Stresssituationen, in denen vermehrt Energie für den Körper benötigt wird. Cortisol wird daher auch als Stresshormon bezeichnet.
Weitere wichtige Wirkungen des Cortisols sind unter anderem:

a)     Dämpfung des Immunsystems, woraus eine Entzündungshemmung resultiert
b)     Steigerung der Wirkung von anderen Stresshormonen (z.Bsp. von Adrenalin)

Die Menge des ausgeschütteten Hormons Cortisol wird über die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gesteuert. Dafür produziert die Hirnanhangsdrüse das Hormon ACTH (Adrenocorticotropes Hormon), das die Nebennieren zur Ausschüttung von Hormonen anregt.

2. Aldosteron

Das Aldosteron gehört zur Gruppe der Mineralcortikoide. Seine Aufgabe ist die Steuerung des Salzhaushaltes im Körper. Dies betrifft den Natrium- und Kaliumhaushalt.
Dabei bewirkt Aldosteron ein verstärktes Zurückhalten von Natrium in den Nieren, wobei gleichzeitig auch vermehrt Wasser im Körper zurückgehalten wird. Auf diesem Weg hat Aldosteron Einfluss auf den Blutdruck. Dieser Mechanismus dient dazu, die Durchblutung der Nieren möglichst konstant zu halten. Beim Kalium dagegen bewirken Mineralcortikoide wie das Aldosteron eine vermehrte Auscheidung über die Niere.
Die Ausschüttung von Aldosteron wird über mehrere Faktoren beeinflusst:
Ein wichtiger Regelkreis ist das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS).
Dabei wird bei niedrigem Blutdruck oder niedrigem Natriumgehalt in der Niere das Hormon Renin (Ren = Niere) ausgeschüttet. Dieses sorgt dafür, das der Aldosteronspiegel im Blut steigt, was dann zur Blutdruckerhöhung und zum Zurückhalten von Natrium führt.

3. Sexualhormone

Vor allem Androgene (männliche Sexualhormone), aber auch Östrogene und Gestagene sind für Geschlechtsfunktion und Ausbildung der männlichen bzw. weiblichen Geschlechtsmerkmale verantwortlich.
Sie werden überwiegend in den primären Geschlechtsorganen (Eierstöcke, Hoden), zum Teil aber auch in der Nebennierenrinde, gebildet.

Nebennierenmark

Das Nebennierenmark besteht überwiegend aus Nervenzellen. Im Gegensatz zu anderen Nervenzellen werden die hier gebildeten Botenstoffe (Transmitter) als Hormone ins Blut abgegeben.
Diese im Nebennierenmark gebildeten Hormone gehören zur Gruppe der biogenen Amine, da sie aus Aminosäuren gebildet werden.
Die im Nebennierenmark gebildeten sogenannten „Stresshormone“ sind unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt:

Adrenalin

wird meistens nach dem lateinischen Wortstamm (Ad Ren = an der Niere = Nebenniere) benannt. Es kann aber auch nach dem griechischen Wortstamm als Epinephrin (Epi Nephros = über der Niere = Nebenniere) bezeichnet werden.

Noradrenalin

entsteht aus Adrenalin und wird meistens ebenfalls nach diesem lateinischen Wortstamm benannt. Es kann aber wie das Adrenalin auch nach dem griechischen Wortstamm als Norepinephrin bezeichnet werden.

Die beiden Hormone Adrenalin und Noradrenalin werden in sogenannten  Alarmsituationen freigesetzt und dienen ursprünglich der Bereitstellung von Energie um zu kämpfen oder zu fliehen („Fight or Flight“). Die Energie wird dabei in Form von Zucker bereitgestellt.
Zusätzlich sorgen die Hormone dafür, das der Körper optimal auf die Gefahrensituation eingestellt wird. Diese als Stressreaktion oder Orientierungsreaktion bezeichnete Aktivierung betrifft viele Organsysteme.

Dazu gehört zum Beispiel:

–    Steigerung der Herzfrequenz
–    Steigerung des Blutdrucks
–    Beschleunigung der Atemfrequenz
–    Anspannung der Skelettmuskulatur

Zu dieser Aktivierung gehört aber auch die Verringerung des Energieverbrauchs durch Organe, die in dieser Situation nicht benötigt werden. Zum Beispiel wird die Magen- und Darmtätigkeit verringert.